Das unterirdische Neapel

Fünf Fotos

Neapel – eine Stadt voller Kontraste

Entdecken Sie die Schönheiten der Stadt mit den Augen eines Neapolitaners

Neapel – Inbegriff süditalienischer Lebensart: eine Stadt voller Kontraste, ein Alltagstheater voll pulsierenden Lebens und reich an Zeugen seiner bewegten Geschichte, in deren Verlauf Griechen, Römer, Byzantiner, Normannen, Staufer, Anjou, Aragonesen und Bourbonen hier ihr Gastspiel gaben und dennoch nie den Lebenswillen des Volkes brachen. So behaupten die Neapolitaner bis heute ihre ungebrochene Lebensart trotz aller sozialen und politischen Missstände: Neapel ist die einzige „bewohnte“ Innenstadt Europas. Vergessen Sie alles, was Sie bisher über Neapel gehört haben und entdecken Sie den Reiz dieser faszinierenden Stadt.
Der Zug ist zweifelsohne die schnellste und stressfreieste Variante, um nach Neapel zu gelangen - unschwer an den zahlreichen Pendlern zu erkennen, die man unterwegs treffen wird.
In Napoli Centrale angekommen findet man sich auf dem Bahnhofsvorplatz, der Piazza Garibaldi, wieder. Überdenkenswert ist eine Kaffeepause in einer der zahlreichen kleinen Bars - stilgerecht im Stehen am Tresen : in Neapel wird anerkanntermaßen der beste "caffè" Italiens gemacht.
Anschließend geht man weiter über den Corso Umberto I, einer der Hauptgeschäftsstraßen Neapels. Unbedingt zu empfehlen ist ein Abstecher über den Stadtviertelmarkt, auf dem täglich eine bunte Mischung an allerfrischesten Lebensmittel und diesem und jenem angeboten wird : dazu biegt man vom Corso Umberto aus in die erste Gasse links ein. Wieder auf die Einkaufstraße zurückgekehrt geht man ein Stück geradeaus, um auf einer größeren Kreuzung rechts in die Via Duomo abzubiegen - sie führt zu Neapels Dom hinauf und bietet neben zahlreichen Boutiquen vor allem Brautmoden- und Kirchenbedarfsgeschäfte: macht ihrem Namen also alle Ehre...
Besonders sehenswert sind auch die archäologischen Ausgrabungen unterhalb des Doms (Überreste aus der großgriechischen, ömischen und frühchristlichen Periode), das Taufbecken und die dem lokalen Schutzpatron gewidmete Seitenkapelle des "San Gennaro". Danach geht man die Via Duomo wieder ein Stück zurück und biegt rechts in die Via S. Biagio dei Librai ein: mit ihr begibt man sich auf den "Spaccanapoli", eine Aufeinanderfolge kleiner Sträßchen, die seit der griechischen Gründungszeit einmal quer die Altstadt Neapels durchschneiden. Hier findet die typische Gässchenwirtschaft mit unzähligen kleinen Läden und Hinterhofwerkstätten statt, unterbrochen von den bedeutendsten Monumenten Neapels. Es lohnt sich, sich etwas Zeit zu nehmen und den Blick umherschtreifen zu lassen : neben vielen sehenswerten Details sollte man unbedingt die Krippenbauergasse San Gregorio Armeno, den Klostergarten des Konvents S. Chiara und / oder die Kappelle San Severo (an der Piazza S. Domenico Maggiore ausgeschildert) besuchen. Wer möchte, kann über die Via S. Gregorio Armeno zum Eingang ins unterirdische Neapel - Napoli Sotteranea - gelangen: die Katakomben der Stadt, die schon von den antiken Römern genutzt wurden, dienten während des 2. Weltkriegs als Luftschutzunterkunft und der Unterwelt als Geheimgänge. Führungen ca. stündlich - sehr spannend.
Am Ende der Spaccanapoli angelangt biegt man links in die Via Toledo / Via Roma ab: Neapels zweite Haupteinkaufstraße, die gewissermaßen "als Hommage an die fortschreitende Europäisierung" teilweise zur Fußgängerzone geworden ist. Rechts von der Via Teledo aus ziehen sich die Gassen des "spanischen Viertels" den Berg hoch - dieser Bereich der Altstadt diente einst den spanischen Besatzern als Unterkunft, was eine Vielzahl eigenwilliger Einraumwohnungen, den sogenannten "Bassi" hervorgebracht hat. In einer der zahlreichen kleinen Trattorien kann man wunderbar Mittagspause machen und vielleicht die Pizza DOC probieren - schließlich wurde sie in Neapel erfunden... (z.B. Trattoria-Pizzeria Prigiobbo, Via Portacarrese 96, empfehlenswert "Antipasti misti" und "assaggio di pizza"). Nach dem Essen geht es gewissermaßen als Kontrastprogramm aus der Enge des Gässchengewirrs heraus in das monumentale Spanische Viertel - dazu folgt man der Via Toledo bis zu ihren Ende. Man gelangt an der Galleria Umberto - Neapels wunderschöner Prunkeinkaufsgallerie aus dem 19. Jhd. - vorbei zur Piazza del Plebiscito mit dem Königlichen Palast und der gegenüberliegenden Schlosskappelle. Am Ende des riesigen Platzes kann man über die Balustrade schauen und den berühmten Postkartenpanoramablick auf den Golf und den Vesuv genießen.
Zu Beginn der Piazza befindet sich das "Gambrinus", Neapels ältestes und wunderschönes Kaffeehaus - eine Tradition, die einstmals von den Österreichern in die Stadt eingeführt wurde. Hier sollte man sich unbedingt noch die Zeit für einen kurzen Zwischenstop nehmen. Weiter geht es am "Teatro San Carlo" - Neapels renommierter Oper - vorbei zur Piazza del Municipio mit dem Castel Nuovo: einer Festung mit einem aufwendigen Renaissancetorbogen, auf den die Neapolitaner sehr stolz sind. Heute finden hier wechselnde Ausstellungen statt, im ehemaligen "Saal der Barone" tagt das Stadtparlament.
Mit schönem Blick auf den Hafen überquert man todesmutig die Piazza Municipio (keine Sorge, in Neapel wird gebremst, man muss nur Entschiedenheit demonstrieren !), und gelangt dann über den Corso Umberto wieder zum Bahnhof zurück (da der Corso Umberto Neapels längste Straße ist, sollte man ca. 30 Minuten einkalkulieren), die Züge fahren bis 20:30 Uhr etwa stündlich (z.B. um 16:40 Uhr Richtung Cosenza).


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